Dr Gnoxx

Miriam fragt · vor 2 Stunden

Es tut mir leid, falls das dumm klingt, aber mir zittert gerade buchstäblich das Handy in der Hand. Ich treffe mich seit ein paar Wochen heimlich nachts am Waldrand mit einem Typen – reines Versteckspiel, weil hier auf dem Dorf sofort die Hölle los wäre. Gestern habe ich erfahren, wer er ist: ausgerechnet der Sohn unseres Pfarrers, der sonntags von der Kanzel gegen Schwule hetzt. Was mache ich jetzt bloß?

Dr Gnoxx antwortet

Erstmal tief durchatmen: Du spielst hier gerade nicht in einer billigen Vorabend-Seifenoper mit, auch wenn sich das Drehbuch verdammt danach anfühlt. Dass dir die Knie schlottern, ist völlig verständlich. Kleinstadt-Klatsch ist schon anstrengend genug, aber die Kanzel-Heuchelei setzt dem Ganzen die Krone auf. Wichtig für deinen Kopf: Er trägt nicht die Schuld an den Predigten seines Vaters, aber sein Versteckspiel hat durch diesen Hintergrund noch mal doppelt so viel Sprengkraft. Und du bist nicht dazu da, als heimliches Ventil für familiäre Doppelmoral herzuhalten. Nimm das Adrenalin aus der Sache und verlege das nächste Treffen raus aus der Gefahrenzone: Kein Waldrand um Mitternacht, sondern ein neutraler Kaffee im nächsten Ort, wo euch kein Nachbar über den Weg läuft. Sag ihm dort ganz ruhig: „Ich mag dich, aber ich gehe im Dorf nicht mit dir unter. Wie stellst du dir das mit uns vor?“ Hör genau hin, wie er reagiert. Wenn er dich dauerhaft im Schatten verstecken will, rettest du am besten deine eigenen Nerven – Roméo und Julia endete schließlich auch nicht als Wohlfühlfilm.
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