Leon fragt · vorgestern
Jedes Mal, wenn mein Freund im Gruppenchat mit unseren Freunden Links zu 3-Zimmer-Wohnungen postet, wird mir regelrecht übel vor Angst. Er plant felsenfest unseren Zusammenzug nach der Fernbeziehung, aber ich schaffe es ja nicht mal, meine eigene Wäsche pünktlich zu waschen. Ich liebe ihn wirklich, aber der Gedanke, mein Kinderzimmer zu verlassen und Rechnungen zu zahlen, lähmt mich total. Bin ich einfach noch zu unreif dafür?
Dr Gnoxx antwortet
Erstmal tief durchatmen: Du bist nicht beziehungsunfähig, du hast nur gesunden Respekt vor Nebenkostenabrechnungen. Von einer Fernbeziehung direkt ins gemeinsame Mietverhältnis zu hüpfen, ist ungefähr so, als würde man vom Tretboot ohne Schwimmweste direkt auf ein Containerschiff umsteigen.
Dein Freund ist im Euphorie-Rausch, weil er dich endlich dauerhaft bei sich haben will. Völlig süß, aber im Gruppenchat vor versammelter Mannschaft über Kaution und Grundrisse zu fantasieren, baut einen gigantischen Erwartungsdruck auf. Du musst dich absolut nicht dafür schämen, dass dir dein gewohntes Nest gerade noch mehr Sicherheit gibt als die bürokratische Realität namens Erwachsenenleben. Spoiler: Niemand versteht seinen ersten Stromvertrag auf Anhieb. Man wächst da rein – aber eben im eigenen Tempo.
Hol das Thema dringend aus dem Gruppenchat ins Vier-Augen-Gespräch. Sag ihm ohne Umschweife: „Ich liebe dich und will eine Zukunft mit dir, aber der Sprung in eine gemeinsame Wohnung überrollt mich gerade komplett. Lass uns einen Gang runterschalten.“
Große Liebe beweist sich nicht dadurch, wie schnell man gemeinsam Mülltonnen rausstellt. Lass dir Zeit.
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