Dr Gnoxx

Anonym fragt · gestern

Kaum bin ich endlich ausgezogen, schickt mir meine Mutter auf Snapchat Fotos von meinem Kumpel aus der Grundschule und fragt, warum er so eine Kante geworden ist und ich „so klein und schmächtig“ geblieben bin. Jedes Mal zieht sich bei mir alles zusammen. Ich sitze in meiner ersten eigenen Wohnung und heule fast, weil ich mich plötzlich wieder wie ein Mängelexemplar fühle. Warum macht sie das?

Dr Gnoxx antwortet

Kurz und schmerzlos: Du bist kein Mängelexemplar, sondern ein erwachsener Mensch mit eigenem Mietvertrag – und deine Mutter leidet offenbar unter akuter Abnabelungs-Panik, die sie ziemlich ungeschickt verpackt. Wenn Kinder das Nest verlassen, drehen manche Eltern kurz durch. Statt zuzugeben, dass sie dich vermissen, klammern sie sich an alte Muster: bemuttern, bewerten, vergleichen. Dass sie dir ungefragt trainierte Sandkastenfreunde vor die Nase hält, ist aber keine Fürsorge, sondern schlicht übergriffig. Dein Körper ist kein Möbelstück, das man beim Auszug hätte umtauschen können, und Genetik funktioniert nicht wie ein Wunschkonzert im Fitnessstudio. Mach ihr klar, dass dieser Kanal ab sofort dicht ist. Wenn der nächste Snap eintrudelt, schreib trocken: „Mama, ich mag mein Leben und meinen Körper genau so. Wenn du Muskeln bewundern willst, folg Bodybuildern, aber hör bitte auf, mich mit anderen zu vergleichen.“ Lass dir deine neue Freiheit nicht madig machen. Deine Bude, deine Regeln, dein Maßstab.
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