Dr Gnoxx

Anouk fragt · 04. Okt. 2026

Wir sitzen auf unserer Abifeier, alle heulen rum, weil bald jeder wegzieht und die Clique zerbricht – und ich sitze da mit weichen Knien, weil ich mich Hals über Kopf verguckt habe. Kann man das nicht einfach mal genießen, ohne dass alle so tun, als würde morgen die Welt untergehen? Warum fühlt sich das gleichzeitig wie der beste und der beschissenste Moment an?

Dr Gnoxx antwortet

Weil dein Kopf gerade zwei gegensätzliche Welten gleichzeitig verarbeiten muss: Die Clique trauert um die Vergangenheit, während dein Herz kopfüber in die Zukunft springt. Das fühlt sich zerreißend an, aber kein Gefühl macht das andere falsch. Die Melancholie der anderen hat ihre Berechtigung – ein sicherer Lebensabschnitt ist vorbei, und das Loslassen tut weh. Trotzdem ist deine Verliebtheit kein Verrat an deinen Freunden. Du musst nicht aus Solidarität mitheulen, wenn dein Nervensystem gerade auf Aufbruch und Neuanfang programmiert ist. Nimm die Person, in die du verschossen bist, heute Abend einfach mal für zwanzig Minuten aus dem Gruppen-Drama heraus. Geht kurz an die frische Luft oder setzt euch abseits auf eine Treppe. Gib dir die Erlaubnis, dieses Kribbeln im Hier und Jetzt zu spüren, ohne heute schon klären zu müssen, wer im Herbst wohin zieht. Dass Cliquen sich nach der Schule verändern, lässt sich sowieso nicht aufhalten. Aber man darf trauern und gleichzeitig Schmetterlinge im Bauch haben.
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